- Entrou
- Out 5, 2021
- Mensagens
- 61,748
- Gostos Recebidos
- 1,843
Endlich wieder mehr Netto vom Brutto!:
Reiche fordert Steuerreform: „So schnell es geht“
München – Endlich steigende Auftragszahlen in der Industrie, vor allem die Rüstungsexporte gehen nach oben! Dazu ist die Regierung auf Handelspartner-Suche im Ausland, derzeit besonders in den Golf-Staaten: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (52) und Kanzler Friedrich Merz (70, beide CDU) waren vergangene Woche in Saudi-Arabien: Öl, Gas, Wasserstoff und vor allem viel Geld – das bieten die Wüstenstaaten der deutschen Wirtschaft.
„Deutschland wird gesehen als der Anker in Europa, mit dem man zusammen wachsen kann“, sagte Reiche in Riad. Doch in Deutschland erwarten die Unternehmen vor allem eines: Reformen, damit wir auf Dauer wieder wachsen. Wann liefert die Regierung endlich zu Hause?
BILD traf Reiche zum Gespräch in München, wo das Drohnen-Start-up Tytan mit dem Rüstungs-Unternehmen KNDS (früher Krauss-Maffei) eine Industriepartnerschaft abschloss.
BILD: Frau Wirtschaftsministerin, sehen wir gerade schon die Wirtschaftswende?
Katherina Reiche: Tytan ist für mich ein absolutes Vorzeigeunternehmen: motivierte, hier ausgebildete Luftfahrtingenieure, IT-Techniker, Finanzexperten, die sich vorgenommen haben, mit deutscher Technologie ihren Beitrag zu einer Form von Wirtschaftswachstum zu leisten, die wir vielleicht vor vier, fünf Jahren noch gar nicht gesehen hab
Dass es irgendwann mal Start-ups der Defense- und Rüstungsindustrie sein können, die das Potenzial haben, zu Wirtschaftswachstum zu führen, war nicht abzusehen. Aber es ist notwendig, weil Europa sich besser verteidigen können muss. Dass in Europa im letzten Jahr 1,9 Milliarden Euro in die Finanzierung von Defence-Start-ups geflossen sind und davon über eine Milliarde in deutsche Start-ups, zeigt nicht nur das Potenzial, sondern die technologische Expertise, die wir haben.
Kann diese Industrie ihren Beitrag leisten, dass langfristig Wachstum in Deutschland generiert wird?
Katherina Reiche: Sie werden langfristig einen Beitrag leisten. Davon bin ich überzeugt. Wir können 1 bis 1,5 Prozent Wachstum im Land erreichen, wenn wir Rüstungs- und Verteidigungsindustrie in Deutschland nach oben skalieren. Vom Start-up bis zum großen Unternehmen wie KNDS, aber auch bis zu namhaften Automobilzulieferern. Denn auch das ist klar: Verteidigungsfähigkeit besteht auch darin, vom Start-up die Rampe zu schaffen zu einem industriellen Maßstab, und das können wir in Deutschland, das stellen wir gerade unter Beweis.
Neben dem Sondervermögen sollten vor allem auch Reformen Deutschland wieder zum Wachstum verhelfen. Wie sieht es da in diesem Jahr aus?
Katherina Reiche: Wir brauchen Reformen, um die staatlichen Mittel tatsächlich zum Erfolg zu führen. Die kleine konjunkturelle Erholung von 1 Prozent in diesem Jahr und 1,3 Prozent im nächsten Jahr passiert, weil staatliche Mittel in die Fläche kommen und investiert werden, zum Beispiel in Straßen, in Brücken, in Energieinfrastruktur. Selbsttragendes Wachstum werden wir aber nur bekommen, wenn wir den Arbeitsmarkt und die sozialen Sicherungssysteme reformieren, wenn wir schneller genehmigen, zulassen, planen können, wenn die Vergabe dieser öffentlichen Mittel schneller und unbürokratischer erfolgt. Wir brauchen in diesem Jahr einen größeren Aufschlag, um Wachstum zu gewinnen.
Was heißt das konkret? Was können wir tun, um mehr Arbeit anzureizen, um es attraktiver zu machen, aus der Teilzeit rauszugehen?
Katherina Reiche: Wir sind in Deutschland pro Arbeitsstunde absolut produktiv. Wir verlieren, weil das gesamte Arbeitsvolumen über das Jahr geringer ist als in anderen OECD-Staaten. Es liegt also nicht daran, dass wir pro Stunde nicht produktiv sind oder die Deutschen in dieser einen Stunde nicht genug arbeiten. Die Gesamtzahl der Stunden ist zu gering, und damit verschenken wir eine Möglichkeit, zu Wachstum zu kommen. Teilzeit für Familien, die es brauchen, ist absolut wichtig. Es ist nicht die einzige Antwort, das Arbeitsvolumen zu heben. Das heißt, auch nach der Altersgrenze länger zu arbeiten, die Wochenarbeitsstundenzahl zu flexibilisieren und vor allem dafür zu sorgen, dass nicht Mehrarbeit wegbesteuert wird. Momentan ist Mehrarbeit steuerlich häufig unattraktiv und damit vergeben wir erneut Chancen.
Konkret: Sie waren angetreten mit einer Steuerreform für die breite Mitte. Wann kann Deutschland damit rechnen?
Katherina Reiche: Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, über das Vorziehen einer Senkung der Körperschaftssteuer zu sprechen, um Entlastungseffekte schneller als erst ab dem Jahr 2028 wirken zu lassen.
Das betrifft die Unternehmen. Es geht aber auch um die arbeitende Mitte, also um die Einkommensteuer. Wann ist eine Einkommensteuerform zu machen?
Katherina Reiche: Wir müssen den Faktor Arbeit so schnell es geht entlasten. Wir verhandeln mit der SPD darüber, ob das vorgezogen werden kann. Je mehr Menschen arbeiten, je attraktiver Arbeit ist, desto höher ist die Produktivität in Deutschland, desto geringer ist die Last auf den sozialen Sicherungssystemen. Möglichst schnell an diesen Schrauben zu drehen, sollte unser gemeinsames Ziel sein.
Bild Zeitung
Reiche fordert Steuerreform: „So schnell es geht“
München – Endlich steigende Auftragszahlen in der Industrie, vor allem die Rüstungsexporte gehen nach oben! Dazu ist die Regierung auf Handelspartner-Suche im Ausland, derzeit besonders in den Golf-Staaten: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (52) und Kanzler Friedrich Merz (70, beide CDU) waren vergangene Woche in Saudi-Arabien: Öl, Gas, Wasserstoff und vor allem viel Geld – das bieten die Wüstenstaaten der deutschen Wirtschaft.
„Deutschland wird gesehen als der Anker in Europa, mit dem man zusammen wachsen kann“, sagte Reiche in Riad. Doch in Deutschland erwarten die Unternehmen vor allem eines: Reformen, damit wir auf Dauer wieder wachsen. Wann liefert die Regierung endlich zu Hause?
BILD traf Reiche zum Gespräch in München, wo das Drohnen-Start-up Tytan mit dem Rüstungs-Unternehmen KNDS (früher Krauss-Maffei) eine Industriepartnerschaft abschloss.
BILD: Frau Wirtschaftsministerin, sehen wir gerade schon die Wirtschaftswende?
Katherina Reiche: Tytan ist für mich ein absolutes Vorzeigeunternehmen: motivierte, hier ausgebildete Luftfahrtingenieure, IT-Techniker, Finanzexperten, die sich vorgenommen haben, mit deutscher Technologie ihren Beitrag zu einer Form von Wirtschaftswachstum zu leisten, die wir vielleicht vor vier, fünf Jahren noch gar nicht gesehen hab
Dass es irgendwann mal Start-ups der Defense- und Rüstungsindustrie sein können, die das Potenzial haben, zu Wirtschaftswachstum zu führen, war nicht abzusehen. Aber es ist notwendig, weil Europa sich besser verteidigen können muss. Dass in Europa im letzten Jahr 1,9 Milliarden Euro in die Finanzierung von Defence-Start-ups geflossen sind und davon über eine Milliarde in deutsche Start-ups, zeigt nicht nur das Potenzial, sondern die technologische Expertise, die wir haben.
Kann diese Industrie ihren Beitrag leisten, dass langfristig Wachstum in Deutschland generiert wird?
Katherina Reiche: Sie werden langfristig einen Beitrag leisten. Davon bin ich überzeugt. Wir können 1 bis 1,5 Prozent Wachstum im Land erreichen, wenn wir Rüstungs- und Verteidigungsindustrie in Deutschland nach oben skalieren. Vom Start-up bis zum großen Unternehmen wie KNDS, aber auch bis zu namhaften Automobilzulieferern. Denn auch das ist klar: Verteidigungsfähigkeit besteht auch darin, vom Start-up die Rampe zu schaffen zu einem industriellen Maßstab, und das können wir in Deutschland, das stellen wir gerade unter Beweis.
Neben dem Sondervermögen sollten vor allem auch Reformen Deutschland wieder zum Wachstum verhelfen. Wie sieht es da in diesem Jahr aus?
Katherina Reiche: Wir brauchen Reformen, um die staatlichen Mittel tatsächlich zum Erfolg zu führen. Die kleine konjunkturelle Erholung von 1 Prozent in diesem Jahr und 1,3 Prozent im nächsten Jahr passiert, weil staatliche Mittel in die Fläche kommen und investiert werden, zum Beispiel in Straßen, in Brücken, in Energieinfrastruktur. Selbsttragendes Wachstum werden wir aber nur bekommen, wenn wir den Arbeitsmarkt und die sozialen Sicherungssysteme reformieren, wenn wir schneller genehmigen, zulassen, planen können, wenn die Vergabe dieser öffentlichen Mittel schneller und unbürokratischer erfolgt. Wir brauchen in diesem Jahr einen größeren Aufschlag, um Wachstum zu gewinnen.
Was heißt das konkret? Was können wir tun, um mehr Arbeit anzureizen, um es attraktiver zu machen, aus der Teilzeit rauszugehen?
Katherina Reiche: Wir sind in Deutschland pro Arbeitsstunde absolut produktiv. Wir verlieren, weil das gesamte Arbeitsvolumen über das Jahr geringer ist als in anderen OECD-Staaten. Es liegt also nicht daran, dass wir pro Stunde nicht produktiv sind oder die Deutschen in dieser einen Stunde nicht genug arbeiten. Die Gesamtzahl der Stunden ist zu gering, und damit verschenken wir eine Möglichkeit, zu Wachstum zu kommen. Teilzeit für Familien, die es brauchen, ist absolut wichtig. Es ist nicht die einzige Antwort, das Arbeitsvolumen zu heben. Das heißt, auch nach der Altersgrenze länger zu arbeiten, die Wochenarbeitsstundenzahl zu flexibilisieren und vor allem dafür zu sorgen, dass nicht Mehrarbeit wegbesteuert wird. Momentan ist Mehrarbeit steuerlich häufig unattraktiv und damit vergeben wir erneut Chancen.
Konkret: Sie waren angetreten mit einer Steuerreform für die breite Mitte. Wann kann Deutschland damit rechnen?
Katherina Reiche: Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, über das Vorziehen einer Senkung der Körperschaftssteuer zu sprechen, um Entlastungseffekte schneller als erst ab dem Jahr 2028 wirken zu lassen.
Das betrifft die Unternehmen. Es geht aber auch um die arbeitende Mitte, also um die Einkommensteuer. Wann ist eine Einkommensteuerform zu machen?
Katherina Reiche: Wir müssen den Faktor Arbeit so schnell es geht entlasten. Wir verhandeln mit der SPD darüber, ob das vorgezogen werden kann. Je mehr Menschen arbeiten, je attraktiver Arbeit ist, desto höher ist die Produktivität in Deutschland, desto geringer ist die Last auf den sozialen Sicherungssystemen. Möglichst schnell an diesen Schrauben zu drehen, sollte unser gemeinsames Ziel sein.
Bild Zeitung
