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- Out 5, 2021
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Geht das nur mir so?:
Wer Frauen entwürdigt, wird auch noch belohnt
Alexandra Würzbach schaut aufs Leben. Heute: sexuelle Gewalt gegen Frauen
Der Fall Collien Fernandes hat ein Wort in die Öffentlichkeit gedrückt, das viele nicht mehr loslässt: sexualisierte digitale Gewalt. Viel ist dazu gesagt und geschrieben worden. Es gibt Demonstrationen, Politiker versprechen neue Gesetze. Beeindruckend, was eine prominente Frau mit ihrer Schilderung in Gang setzen kann.
Ich hätte das 800 jungen Frauen, die nicht prominent sind, auch gewünscht, als sie Opfer sexualisierter virtueller Gewalt wurden. Ihr Schicksal macht mich fassungslos.
Ein Mitarbeiter der Uni Freiburg hat über 15 Jahre Studentinnen heimlich in intimsten Momenten gefilmt – im Badezimmer, in der Dusche, auf der Toilette. Und zwar in Uni-Gebäuden und in Studenten-Wohnungen. Der heute 57-Jährige suchte die jungen WG-Bewohnerinnen offenbar ganz gezielt. Er bevorzugte die Hübschen.
2024 flog der perverse Typ auf und das ganze Ausmaß seiner Verbrechen kam ans Licht: Videos von 800 Frauen, viele nackt, entblößt. Hat der Kerl sich das daheim allein angeguckt? Oder mit Freunden? Oder hat er die Videos auch ins Internet gestellt? Sicher ist: Die systematische Entwürdigung der Frauen setzt eine enorme kriminelle Energie voraus.
Jetzt, zwei Jahre später, stand der Mann vor Gericht–wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Aber es geht nur um 61 Fälle aus den Jahren 2019 bis 2024. Der Rest verjährt. Das muss man sich klarmachen. Hunderte Frauen tauchen juristisch nicht mehr auf. Nach fünf Jahren ist ihre Zeit bei der Justiz abgelaufen.
Und am Ende ist das für das Amtsgericht keine Haftstrafe. Der 57-jährige kriegt mit Bewährung. Das ist für mich ein Schlag ins Gesicht der Opfer!
Und es wird nicht besser: Die Uni erfuhr 2024 von den Ermittlungen gegen ihren Mitarbeiter. Informiert hat sie laut SWR die Studentenschaft aber nicht. So eine böse Geschichte könnte ja dem Image der Uni schaden.
Dafür hat die Uni den Perversen fristlos gefeuert. Aber so einfach ist das in Deutschland nicht. Wenn du in diesem Land 15 Jahre lang im Dienst jungen Frauen mit Mini-Kameras zwischen die Beine filmst, ist das kein Grund für einen fristlosen Rauswurf.
Der Kerl hat beim Arbeitsgericht geklagt.
Und dann hat die Uni einem Vergleich zugestimmt, zahlt dem Verbrecher noch Urlaubstage aus, die er nicht nehmen konnte, und ein Zeitguthaben. Bei dem Gedanken wird mir übel. Moralisch unerträglich. Das ist der Moment, in dem es echt kippt.
Wie kann es sein, dass der Typ am Ende mit Bewährung davonkommt und obendrein noch Geld kassiert? Unis werden letztlich mit Steuergeld finanziert. Von uns allen. Von den Frauen, die sich jetzt fragen müssen, ob sie je wieder unbeschwert eine Toilette betreten können. Von einer Gesellschaft, die sich einredet, solche Taten seien Ausnahmen.
Ich glaube, wir brauchen nicht nur neue Gesetze gegen sexuelle digitale Gewalt (auch was Verjährungsfristen angeht). Wir brauchen vor allem eine Justiz, die die bestehenden Gesetze einfach mal ausschöpft.
Die Staatsanwaltschaft hat Berufung gegen die Bewährung eingelegt. Es wird einen neuen Prozess am Landgericht geben. Ich wünsche mir, dass dann eine große Öffentlichkeit hergestellt wird, dass sich ganz viele Frauen das Würstchen angucken. Und am Ende hören, dass der Angeklagte im Namen des Volkes in den Knast geht.
Bild Zeitung
Wer Frauen entwürdigt, wird auch noch belohnt
Alexandra Würzbach schaut aufs Leben. Heute: sexuelle Gewalt gegen Frauen
Der Fall Collien Fernandes hat ein Wort in die Öffentlichkeit gedrückt, das viele nicht mehr loslässt: sexualisierte digitale Gewalt. Viel ist dazu gesagt und geschrieben worden. Es gibt Demonstrationen, Politiker versprechen neue Gesetze. Beeindruckend, was eine prominente Frau mit ihrer Schilderung in Gang setzen kann.
Ich hätte das 800 jungen Frauen, die nicht prominent sind, auch gewünscht, als sie Opfer sexualisierter virtueller Gewalt wurden. Ihr Schicksal macht mich fassungslos.
Ein Mitarbeiter der Uni Freiburg hat über 15 Jahre Studentinnen heimlich in intimsten Momenten gefilmt – im Badezimmer, in der Dusche, auf der Toilette. Und zwar in Uni-Gebäuden und in Studenten-Wohnungen. Der heute 57-Jährige suchte die jungen WG-Bewohnerinnen offenbar ganz gezielt. Er bevorzugte die Hübschen.
2024 flog der perverse Typ auf und das ganze Ausmaß seiner Verbrechen kam ans Licht: Videos von 800 Frauen, viele nackt, entblößt. Hat der Kerl sich das daheim allein angeguckt? Oder mit Freunden? Oder hat er die Videos auch ins Internet gestellt? Sicher ist: Die systematische Entwürdigung der Frauen setzt eine enorme kriminelle Energie voraus.
Jetzt, zwei Jahre später, stand der Mann vor Gericht–wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Aber es geht nur um 61 Fälle aus den Jahren 2019 bis 2024. Der Rest verjährt. Das muss man sich klarmachen. Hunderte Frauen tauchen juristisch nicht mehr auf. Nach fünf Jahren ist ihre Zeit bei der Justiz abgelaufen.
Und am Ende ist das für das Amtsgericht keine Haftstrafe. Der 57-jährige kriegt mit Bewährung. Das ist für mich ein Schlag ins Gesicht der Opfer!
Und es wird nicht besser: Die Uni erfuhr 2024 von den Ermittlungen gegen ihren Mitarbeiter. Informiert hat sie laut SWR die Studentenschaft aber nicht. So eine böse Geschichte könnte ja dem Image der Uni schaden.
Dafür hat die Uni den Perversen fristlos gefeuert. Aber so einfach ist das in Deutschland nicht. Wenn du in diesem Land 15 Jahre lang im Dienst jungen Frauen mit Mini-Kameras zwischen die Beine filmst, ist das kein Grund für einen fristlosen Rauswurf.
Der Kerl hat beim Arbeitsgericht geklagt.
Und dann hat die Uni einem Vergleich zugestimmt, zahlt dem Verbrecher noch Urlaubstage aus, die er nicht nehmen konnte, und ein Zeitguthaben. Bei dem Gedanken wird mir übel. Moralisch unerträglich. Das ist der Moment, in dem es echt kippt.
Wie kann es sein, dass der Typ am Ende mit Bewährung davonkommt und obendrein noch Geld kassiert? Unis werden letztlich mit Steuergeld finanziert. Von uns allen. Von den Frauen, die sich jetzt fragen müssen, ob sie je wieder unbeschwert eine Toilette betreten können. Von einer Gesellschaft, die sich einredet, solche Taten seien Ausnahmen.
Ich glaube, wir brauchen nicht nur neue Gesetze gegen sexuelle digitale Gewalt (auch was Verjährungsfristen angeht). Wir brauchen vor allem eine Justiz, die die bestehenden Gesetze einfach mal ausschöpft.
Die Staatsanwaltschaft hat Berufung gegen die Bewährung eingelegt. Es wird einen neuen Prozess am Landgericht geben. Ich wünsche mir, dass dann eine große Öffentlichkeit hergestellt wird, dass sich ganz viele Frauen das Würstchen angucken. Und am Ende hören, dass der Angeklagte im Namen des Volkes in den Knast geht.
Bild Zeitung
